Presse
27.06.2015, 08:17 Uhr | Neue Westfälische, Sandra C. Siegemund
"Pflege muss neu definiert werden"
Podiumsdiskussion mit dem Patientenbeauftragten Karl-Josef Laumann

Nach 20 Jahren ist die Pflegeversicherung reif für Veränderungen. Bei einer Podiumsdiskussion im Seniorenzentrum Bethel stellte sich Karl-Josef Laumann, der Patientenbeauftragte und Pflegebevollmächtigte der Bundesregierung, den Fragen der Anwesenden zum Thema "Zukunft Pflege - Wir alle sind in der Verantwortung".

"Wir haben Luft, mehr Geld für Pflege auszugeben", war sich Karl-Josef Laumann sicher. Da im aktuellen Koalitionsvertrag ein Schwerpunkt auf der Pflege liege, sei es möglich, politische Maßnahmen zeitnah durchzusetzen. "Mit der Erhöhung um einen halben Prozentpunkt werden statt 23 Milliarden Euro zukünftig jährlich 29 Milliarden zur Verfügung stehen", erläuterte er. "Damit ist Veränderung möglich."

 

Ihre Beitragsstabilität habe die Pflegeversicherung dadurch erreicht, dass die Leistungen nicht mehr so viel wert sind wie vor 20 Jahren. "Doch damals gab es keine Pflegewissenschaften, über Demenz beispielsweise wusste man nicht viel", sagte er. "Pflege muss neu definiert werden." Nicht mehr über Minutenpflege, bei der jeweils berechnet wird, wie lange eine Pflegekraft für einzelne Tätigkeiten braucht, sondern über die individuelle Selbstständigkeit jedes Einzelnen, "ganz egal, ob jemand dement ist oder körperlich eingeschränkt", so Karl-Josef Laumann.

 

Er forderte eine "veränderte Sichtweise auf den Grad der Pflegebedürftigkeit" und gleiche Zuzahlungen für alle Pflegestufen. "Wer am Meisten Pflege benötigt, muss auch am Meisten bekommen, das ist wahre Solidarität", so der Staatssekretär.

 

Ein "Schlaraffenland" werde die 2017 in Kraft tretende neue Pflegeversicherung nicht, sah er die Zukunft realistisch, doch biete sie neue Möglichkeiten, "jeden Lebensabschnitt mit Würde auszustatten". "Das Image der Pflege ist in der Öffentlichkeit leider oft negativ besetzt. Kompetente Mitarbeiter zu finden, ist nicht einfach. Mit welchen Maßnahmen kann man die Pflegeberufe aufwerten?", fragte Cornelia Möller, Geschäftsführerin der Pflegedienstleitung des gastgebenden Seniorenzentrums.

 

"Ein verrücktes System" nannte Karl-Josef Laumann die Tatsache, dass in sechs Bundesländern auszubildende in Pflegeberufen noch Schulgeld zahlen müssen und forderte eine Ausbildungsumlage für alle Bundesländer. "Seit es in NRW die duale Ausbildung mit Lehrlingsgehalt gibt, haben wir ein Drittel mehr Auszubildende. Gute Ausbildung und vernünftige Bezahlung sind die einzige Lösung gegen den Fachkräftemangel." Pflegeeinrichtungen müssten über ihre Leistungen in Wettbewerb treten, nicht über die Bezahlung ihrer Mitarbeiter.

 

"Ich habe große Achtung vor der Pflege, denn neben dem Wissen braucht man auch die passende innere Einstellung dazu", sagte der seit 27 Jahren mit einer Krankenschwester verheiratete Karl-Josef Laumann. "Wenn man sich nicht mehr selbst organisieren kann, muss man sich auf andere verlassen können."

 

Da der Anteil der Pflegebedürftigen jährlich um zwei bis drei Prozent steige, werden zu den derzeit rund 700.000 Beschäftigten im Altenpflegebereich pro Jahr etwa 20.000 weitere Kräfte benötigt. "Eine große Herausforderung", so der Pflegebevollmächtigte. Auch für die "Gesundheitsoase" Bad Oeynhausen, in der etwa 7.000 Menschen, ein Drittel der Beschäftigten, im Gesundheitsbereich arbeiten.

 

Vor seiner Berufung zum Staatssekretär war Karl-Josef Laumann von 2010 bis 2014 Vorsitzender der CDU-Fraktion im nordrhein-westfälischen Landtag und von 2005 bis 2010 Minister für Arbeit, Gesundheit und Soziales in NRW. Auf Vorschlag der CDU Ortsunion Altstadt und des Bundestagsabgeordneten Tim Ostermann wurde der Staatssekretär nach Bad Oeynhausen eingeladen. Vor der Diskussion nutzte er die Zeit für einen Rundgang durch das Seniorenzentrum Bethel.

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